Projektfahrt 2009 mit großem touristischen Programm

Fahrt vom 01.05. bis 22.05.2009

Abenteuer im Donaudelta

Ein Pro Romania Reisebericht

 Seit vielen Jahren gehört das in regelmäßigen Abständen stattfindende Touristikprojekt zum festen Bestandteil der  Vereinsarbeit des in Schmelz-Dorf beheimateten Rumänienfreundschaftsvereines Pro Romania.
Zweck dieser Projekte ist es,  das in vielen Bereichen noch rückständige, aber touristisch doch hoch interessante Land dem westlichen Besucher schmackhaft zu machen und somit den sich erst in der Entwicklung befindlichen Tourismus mit den dem Verein zur Verfügung stehenden vergleichsweise bescheidenen Mitteln anzukurbeln.
Die Teilnehmer an diesen Programmen haben Gelegenheit, neben der karitativen Arbeit der Partnervereine Pro Romania und Alcar das Land, die Menschen und die Kultur des inzwischen der EU beigetretenen Landes Rumänien näher kennen zu lernen.

Die diesjährige Rundreise  in der Zeit vom 01.05.09 bis 22.05.09 war mit rund 5700 Autokilometern die bisher längste und wohl auch erlebnisreichste Expedition seit Beginn unserer Vereinstätigkeit.
Sie führte praktisch um das Land herum entlang der Nordgrenze zur Ukraine und der Ostgrenze zu Moldawien bis hinunter ins Donaudelta und zum Schwarzen Meer.
Dann zurück quer durch das Land über Brasov am piatra gralului, Schäßburg, der Heimatstadt des Grafen Dracula, Sibiu und Gura Raului zurück nach Alios ins vordere Banat.

Sie begann im Norden in der Maramuresch, dem Land des Holzes und der Holzkirchen, wo die Uhren nicht die Zeit, sondern die Ewigkeit messen. Dem Land mit der  romantischen und urwüchsigen Wassertalbahn, dem wohl letzten Eisenbahnabenteuer, das man sich in Europa gönnen kann. Dem Land, in dem Georghe Iurca, der Reiseleiter, sich dem sanften Tourismus verschrieben hat, den er in leidenschaftlichen Diskussionen vehement, aber auf Dauer wohl vergebens, gegen die Macht des Geldes verteidigen will. Dem Land der Weber und Holzschnitzer und dem Land der wohl farbenfrohesten Trachten.

Sie setzte sich fort durch die Bukowina, das Buchenland,  in dem die Rumänen neben namhaften Belegen ihrer Kulturgeschichte auch ihre Heldensagen angesiedelt haben. Hierher reisen vor allem solche Leute, die sich für Kirchen und Klöster, für Ikonen und Fresken interessieren. Denn die Moldauklöster, zwischen 1470 und 1540 von dem moldawischen Fürsten Stefan cel mare und seinen Nachfolgern für jede gewonnene Schlacht gegen die Türken gestiftet, sind weltberühmt und gehören zum Teil zum Weltkulturerbe.

Sie endete mit dem Besuch unserer Freunde Constantin Nimats in Zarnesti, dem Freikletterer und Wolfs- und Bärenbeobachter, und Otto Wagner, dem heimgekehrten Siebenbürger Sachsen auf dessen Ranch in Biertan.

Unbestrittener Höhepunkt und vom Erlebniswert bisher unerreicht war aber ohne jeden Zweifel der dreitägige Aufenthalt im Donaudelta.
Über Iasi, Tecuci, Braila und Tulcea kommend landeten wir an unserem ausgemachten Treffpunkt in Murighiol. Die Erwartungen waren entsprechend hochgeschraubt, da keiner von uns mit dem Auto jemals so weit, immerhin fast 3000 km, gekommen war. Umso härter traf uns der Zustand des ausgemachten Treffpunktes und die öde Umgebung, die mit dem Begriff „the day after“ nicht treffender hätte beschrieben werden können. Nach zweistündigem Wartemarathon hatten wir die Hoffnung schon fast aufgegeben, als zwei kleine Außenborder anlegten und uns samt Gepäck aufnahmen. Was dann kam, gehört in den Katalog unserer faszinierendsten Reiseerlebnisse.
Drei romantische Nächte auf einem Hausboot und zwei abenteuerliche Bootsausflüge in die entlegendsten Kanäle des Deltas und ins Schwarze Meer lagen vor uns.

Nach einem beinahe dreitausend Kilometer langen Weg, vom Schwarzwald bis zum Schwarzen Meer, gespeist von Wassern aus zehn Ländern, verliert sich der majestätische Donaustrom am Rande des alten Kontinents in ein einzigartiges Labyrinth aus Wasser, Schlamm und Schilf. Zwei Mündungsarme umschließen eine Landschaft von fast 5.000 qkm, ein Labyrinth von Kanälen und Seen. Ein dritter Mündungsarm durchquert diese Landschaft von Westen nach Osten und fließt in das Schwarze Meer. 14.000 Menschen leben hier auf kleinen Inseln, gebildet aus Fluss- und Meersandbänken, 150 Fischarten bevölkern Lagunen und Küstengewässer und über 300 Vogelarten nisten in der größten Schilflandschaft der Erde. Die am häufigsten vertretene Pflanze ist natürlich das Schilf. Ca 300 000 Hektar sind mit Schilf bewachsen. Aus der Luft sieht das Delta aus wie ein von blauen Punkten durchwirktes grünes Meer. Lediglich die Fischer des Deltas kennen sich in diesem grünen Labyrinth aus. Wenn man sich mitten im Donaudelta befindet und einen Fischer nach seiner Herkunft fragt, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass er mit Stolz antwortet, er sei Lippowaner, und am liebsten würde er die Geschichte seiner Urväter erzählen....

Am zweiten Tag sind wir mit Höchstgeschwindigkeit den Sfintu Georghe Kanal hinunter gedonnert. Nach etwa einer Stunde erreichten wir das Schwarze Meer. Wer gehofft hatte, hier auch nur einen einzigen Touristen anzutreffen, war auf dem Holzweg. Der gleichnamige Küstenort Sfintu Georghe hatte zwar vom Campingplatz bis zur Hotellerie alles zu bieten. Menschen wurden jedoch nur ganz vereinzelt gesichtet. Hauptbesucher am kilometerlangen weißen Sandstrand waren bezeichnender Weise schwarze Kühe und hin und wieder ein verirrter Hund. Märchenhaft idyllisch dagegen die Sumpflandschaft im Rücken der Strände.
Die allabendliche urwaldähnliche Geräuschkulisse der Tierfauna des Deltas wird uns noch lange im Ohr bleiben.

Der Trip fand sein Ende wie immer in Alios, wo die eine oder andere wichtige Entscheidung noch zu treffen war, insbesondere hinsichtlich dringend notwendiger Reparaturarbeiten am AlCar-Zentrum.

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