Touristikfahrt im Oktober 2011Reiseleiter Werner Becker

Rundreise vom 01.10.2011 bis 16.10.2011 durch Rumänien

„Reflections of the tour“ aus der Sicht des Reiseleiters

Samstag, 01.10.2011:

Los geht’s um 1,00 Uhr in der Nacht: Passau, Linz, Wien, Budapest, Hatvan, Kerescend, dann Abfahrt von der Autobahn in Richtung Eger. Weit! Zu weit für manche. Es ist schon dunkel und das Navi ist von Nöten. Die weite Umgehung um Budapest hat Zeit gekostet. Manche meinen, es wäre schneller durch Budapest. Ob sie sich da mal nicht irren! „Rumänien liegt nun mal nicht vor der Haustür“.Golgovendeghaz
Wir kommen an in Egerszalök, ziemlich kaputt, finden aber schnell unser Gästehaus Golgovendegahz. Ich staune. Schönes Landhaus, ganz für uns allein. Handgepäck aus den Autos, Zimmeraufteilung,. Alles klappt prima. Die Gesichter der Mitfahrer hellen sich auf. Dann der Schock für die „Betagten“ unter uns. Das Restaurant liegt 500 Meter entfernt.
Nach dem Essen wird es still, mucksmäuschenstill!
 Golgovendeghaz-Küche

Sonntag, 02.10.11:

Erstes „Gruschpeln“ schon ziemlich früh. Die Sonne strahlt schon in den Innenhof. Manche haben schon ihre Kameras gezückt. Schöne Farben. Jutta steht am Fenster. Jutta am Fenster
Innenhof Golgovendeghaz)Schild GolgovendeghazZum Frühstück richten wir einen Shuttledienst zum Restaurant ein und weiter geht’s. Schnell noch eine kurze Stadtrundfahrt durch Eger, dann über Nyiregyhaza in Richtung Satu Mare in Rumänien. Die Grenze passieren wir bei Csengersima.. Autobahn vorbei, die Straßen werden schlechter. Wir schleichen durch Satu Mare, wunderbares Stadtzentrum. Erste Eindrücke von der Baukultur aus österreich-ungarischer Zeit.
Satu Mare
Dann weiter über Baia Mare in Richtung Sighetu Marmatie. Die Maramures grüßt mit ihrer schönsten Seite, herrliches Wetter, tolle Panoramen, wunderbares Licht
Maramures
In Vadu Izei biegen wir nach rechts ins Iza Tal und fahren über Barsana, Stramtura, Rozavlea nach Botiza.
Irina erwartet uns am Straßenrand. Wir kommunizieren auf spanisch. Gudrun kann das und Irina auch. Ihr Mann arbeitet in Spanien, wie so viele. Milena spitzt die Ohren.
Dann wird’s hektisch: Koffer raus, Hänger leer, Zimmer beziehen. Helma und Herbert gehen 200 Meter weiter in eine andere Pension. SpeisezimmerIm Speisezimmer wird’s dann gemütlich, so richtig gemütlich bei gutem Essen und Trinken. War auch Zeit jetzt! Der Weg war weit.
 

 

 

Montag 03.10.11:

Wir sehen jetzt erst so richtig, wo wir gelandet sind. Pensiune Irina Petreus, eine „Oase der Ruhe“ mit herrlichem Innenhof und liebevoller Einrichtung auf traditionelle Maramuresart. Pavillons und Lauben zum Verlieben. Hier wollen wir erst mal nicht mehr weg.

Innenhof Irina PetreusPensiune Irina PetreusBlick vom Balkon in den InnenhofLaubezwei Hübsche im PavillonGemütliches Frühstück, dann aber doch weg. Ein Spaziergang in Botiza vermittelt erste Eindrücke der überwältigenden Holzarchitektur dieser Region. Die hiesige Holzkirche ist ein Geschenk aus Viseu de Jos.
Portal Holzkirche BotizaHolzkirche BotizaHolztor Maramuresch, typisch

Die Leute sind freundlich und plaudern mit uns, nehmen uns mit ins Haus und bieten Tuika an. Ungläubige und erstaunte Gesichter bei einigen Mitfahrern. Unvoreingenommenheit und Gastfreundschaft gegenüber völlig Fremden, wir kennen so was nicht mehr! „Open-minded“ würde Gudrun sagen.
Plaudern mit Leuten aus Botiza
Am Nachmittag geht’s mit den Autos nach Surdesti. Dort steht die höchste historische Holzkirche Europas.
Unescu Weltkulturerbe!
Holzkirche von Surdesti-außenSurdesti-außenSurdesti-innen

Vorher machen wir aber noch einen Stopp bei der „eierlegenden Wollmilchsau“ Gheorghe Opris in Sabri. Er und die Nachbarfamilien sind gerade beim Schnapsbrennen, ein Riesenaufgebot. Auch die Söhne aus Amerika sind da und schrauben an ihrem First-Class-Nissan. Als wir kommen wird alles stehen und liegen gelassen, nur die Oma dreht weiter die Maische, damit nichts anbrennt Unser Schorsch wird als Maramuresmann neu eingekleidet, Tuika wird reichlich ausgeschenkt, seine berühmten Schnapsflaschen mit der Leiter drin wechseln den Besitzer und zu guter Letzt gibt Gheorghe noch ein Abschiedskonzert mit der Blechtrommel während seine Frau uns was „vorspinnt“. Gheorghe Opris, das Unikum aus Sabri, er versteht sein Geschäft. „Cultura traditionala“, perfekt vermarktet. Keiner vergisst das!
Schorsch der MaramuresmannFrau Opris beim SpinnenCreator popularbeim SchnapsbrennenOma dreht die MaischeSchnapsflaschen mit Leitern drinAbschiedskonzert auf der Blechtrommel)Nissan First-Class

 

 

Dann zurück in unser Paradies. Das Essen wartet und die Gemütlichkeit

 

Dienstag, 04.10.11:

Ausschlafen! Wir machen keine Hektik! Unsere Oase genießen!
Dann fahren wir nach Barsana, der berühmten Klosteranlage. Eine Welt für sich. Ehrfurcht und Staunen ergreifen mich, niemand spricht laut. Eine überwältigende Architektur der Gebäude und eine irgendwie friedliche Atmosphäre tauchen diesen Ort in ein besonderes Licht; er regt an zum Nachdenken unter den Pavillons mit Blick über die Gärten und die prachtvollen Dachkonstruktionen. Ich bekomme eine Gänsehaut.
Klosteranlage BarsanaKlosteranlageKlosteranlage

Casa memoriala Elie Wiesel in Sighet; ein Aufruf gegen das Vergessen. – Confronting indifference!
„Was ist, wenn die letzten Überlebenden des Holocaust gestorben sind? Wird sich Geschichte wiederholen? Wir dürfen nicht vergessen!“
WieselWiesel

Memorialul Victimelor Comunismului si al Rezistentei – Mahnmal an die Opfer des Kommunismus und des Widerstandes. Eine gelungene Aufarbeitung der jüngeren Geschichte Rumäniens im 20. Jahrhundert in einem ehemaligen Gefängnis. Sie endet im Jahr 1989. Auf meine Nachfrage sagt man mir, dass die Revolutionsereignisse und die nachrevolutionäre Phase der Geschichte Rumäniens in Temesvar zu sehen sind.
Ich werde nachforschen.
MemorialulMemorialulVerhörraum der SecuritateMemorialul

Wir holen Norbert im Kaffeehaus ab und fahren weiter nach Sapanta zum Friedhof der lustigen Leute. Ziemliche Ruhe, ein gutes Zeichen!

Friedhof der lustigen LeuteFriedhof der lustigen LeuteFriedhof der lustigen Leute

 

Mittwoch 05.10.11:

Den Vormittag genießen wir bei Irina. Lieblich, idyllisch, einfach schön.
Dann fahren wir mit unseren Autos nach Viseu de Sus zur Wassertalbahn und checken ein im „Carpatia Express“ auf dem Bahnhof von Viseu de Sus.
Carpatia ExpressIm Speisewaggon von außenCarpatia Express – am AbendDinnerEine vom Zugpersonal ist eine Zipserin. Auf meine Frage, wie das Leben hier so sei, antwortet sie: „So und so.“ Ein wenig Wehmut schwingt mit in ihren Worten. Ich denke an Frau Notsch aus Biertan und an Rosel Tante aus Lipova. „Was soll`mer machen – so ist“ sagen diese, und immer schwingt ein wenig Wehmut mit.
Im Carpatia Express treffen wir jemanden, der jemanden aus Gresaubach kennt; ich bin sprachlos. Wir trinken Wein und essen gut. Das Schlafabteil ist etwas eng und nicht schalldicht! Aber romantisch.

 

Donnerstag, 06.10.11:

Nach dem Frühstück im Carpatia Express steigen wir in die Touristenwaggons und fahren mit der Dampflok „Helvetia“ ins Wassertal, etwa 23 Kilometer weit, dann ist Ende. Dort gibt es eine „toaleta“ und etwas zu trinken und zu essen. „Die Touristen kommen“, denke ich und erinnere mich an meine Fahrten mit der „Cozia 1“ und dem umgebauten Transit vor ein paar Jahren. „Wie sich die Zeiten ändern!“
auf der Fahrtauf der Fahrtdie Helvetia muss Wasser tankenparadiesische Landschaft – das WassertalEndstationrückwärts zurück

Ein halber Waggon mit Plastikmüll geht mit zurück nach Viseu de Sus. Mein Freund Gheorghe aus Botiza würde entsetzt sein: „Man sollte ihnen die Haut ab….“ Ich sehe das nicht ganz so kritisch. Wenigstens landet der Müll nicht im Gelände, und die Zeit lässt sich nicht anhalten. Kluge Konzepte sind gefragt, und die Touristen bringen ja auch etwas Wohlstand. Aber Gheorghe meint ja auch mehr die Holzmafia!
Unsere Zugbegleiter von der CFF sind Adi aus dem Film, in dem er den Lokführerschein gemacht hat, mit Emmerich, dem Zipser, der in diesem Jahr im Frühjahr gestorben ist, und Andi. Andi gefiel unseren Mädchen super, sie waren hin und weg.
die Helvetia mit Andy
Bei der Ankunft am Bahnhof findet Günter einen Hund. Und er nimmt ihn prompt mit auf die Reise. Da kennt er nix unser Günter! „Hunde haben gute Chancen!“.
Ich denke an meinen Bekannten Dieter aus Zweibrücken. Er hat auch einen genommen, einen „Straßenköter“ aus Bukarest. Dem geht es blendend jetzt, gut genährt! Die „Straßenkinder“ bleiben wo sie sind, und es geht ihnen gar nicht gut, schlecht ernährt! Chancengleichheit!?
Es geht ein letztes Mal in unsere Oase zum gemütlichen Beisammensein. „Herz, was begehrst du“! der Glückspilz

 

Freitag, 07.10.11:

Nach dem Abschied von Irina und dem Versprechen, dass wir sicher einmal wieder kommen, verlassen wir die Maramures.

Maramures – LandschaftMaramures – Landschaftunsere Mädchen in Maramures – Landschaftgesamte GruppeAbschied von der Maramures

Wir fahren in Richtung Osten über Borsa an den „muntii rodnei“ vorbei, überqueren den „pasul prisolp“ und stoßen schließlich auf die neu ausgebaute Landstraße Cluj – Suceava.
Schon gleich hinter Borsa beginnt „der andere Tourismus“. Schneisen sind in die Karpatenwälder geschlagen für Skipisten und Lifte. Hierhin kommen „die Anderen“. „Man sollte ihnen die Haut ab…“ Gheorghe kann die Entwicklung nicht aufhalten. Er wird verlieren!
Pasul prisolp
Nach 20 Kilometer verlassen wir wieder bei Vatra Dornei die Rennpiste Nr 17; es wird wieder holprig. Wir biegen ab nach Dorna Arini und fahren durch das wunderschöne Tal der Bistrita, eine der reizvollsten Strecken, die ich in Rumänien kennen gelernt habe.
Tal der BistritaTal der BistritaTal der Bistrita
Wir erreichen die „Cabana Ceahlau“ am späten Nachmittag und haben nach „der Schlacht um die Zimmer“ noch etwas Zeit für ein Bierchen auf der überdachten Terrasse mit wunderbarem Blick auf das Ceahlaumassiv.

WegweiserCabana CeahlauTerrasse Cabana Ceahlau

“Hier würde ein längerer Aufenthalt lohnen”, denke ich und plane schon die nächste Tour.
Dann kommt Florin und sagt zu mir (nicht zu Günter): „Ich fahre dein Auto bis zum Restaurant und auch wieder zurück! You can drink something!“ Solche „erste Begegnungen“ sind mir äußerst sympathisch. Ich denke an Constantin und Hansi aus Zarnesti, die machen das auch immer so. Auf der Fahrt hinunter ist es schon dunkel, und Florin erwischt das einzige Schlagloch auf der ganzen fünf Kilometer langen Strecke. Er ist untröstlich.
„Es wird wohl nicht das letzte sein“, fällt mir dazu ein, und ich freue mich auf das Abendessen. Dieses ist prima, der Abend wird super. Auf der Rückfahrt fahren wir mit beiden Autos am Schlagloch vorbei. Florin schaut nach rechts zu mir auf den Beifahrersitz und schmunzelt.

 

Samstag, 08.10.11:

Unsere Gastgeber winken lange und freundlich. Ich weiß, dass Pro Romania wieder kommt, das habe ich ihnen gesagt. Ich glaub, Florin hat immer noch ein schlechtes Gewissen; er winkt besonders lange.
Weiter geht’s zur Bicaz-Klamm. Fotos machen, Nippes kaufen. Jutta und Evelyn kaufen jeweils einen Poncho; kein Nippes sagen sie.
Bicaz-KlammNippes an der Bicaz-Klamm
Einen kurzen Stopp machen wir noch am Lacul Rosu zum Fotografieren, dann geht’s weiter über Gheorgheni, Miercurea-Ciuc in Richtung Brasov. zwei „Liebe“ am Lacul Rosu

Hier sind die Ortsschilder zweisprachig, viele Ungarn leben hier.
Ich denke an die Geschichte, die Voicu mir mal erzählt hat, als er mit Leti in Miercurea-Ciuc war und nicht mehr weiter wusste. Die Leute seien so freundlich gewesen und hätten ihnen, den völlig Fremden, Unterkunft gewährt.
„So ist!“ denke ich und weiß plötzlich wieder, warum ich schon so oft in Rumänien war.
Gudrun will viel sehen, und in Sfintu Gheorghe ist es noch relativ früh am Nachmittag. „Prejmer könnten wir noch gucken gehen“, sage ich. „Dort steht die beeindruckendste Kirchenburg der Siebenbürger Sachsen im Burzenland. Auf deutsch heißt der Ort „Tartlau“. Eigentlich ist schon geschlossen, aber da ist gerade eine ungarische Schülergruppe angekommen. Die dürfen, also dürfen wir auch! Ein wenig Geschichte, ein wenig Hintergrundinformation. Am besten versteht man alles, wenn man sich mit den Leuten unterhält. Eine junge Frau kehrt gerade die Kirche. Ich frage: „Wie ist das Leben so in Tartlau?“ Sie antwortet auf deutsch: „So und so, nur noch Alte“. Ich verstehe.
Tartlau – KirchenburgTartlau – KirchenburgInfotafelKirchenburg Tartlau – außen

In Brasov (Kronstadt) wird’s dunkel. Wir fahren über Poiana Brasov, landen in Rasnov; jetzt ist es nicht mehr weit! Wir finden Zarnesti und den Eingang zum Nationalpark „piatra craiului“, halten am schwarzen Haus, dessen Architektur Verwunderung auslöst.
Ich habe Dorin gesagt, dass ich anrufe, wenn wir in Zarnesti ankommen. Er sagt: „Ab dort noch 12 Kilometer bis Plaiul Foi, dann nach 500 Meter links abbiegen, dann noch ca 800 Meter geradeaus, dann rechts über die Brücke und ihr seid da.“ Jetzt weiß ich, was uns erwartet!
Die Marterstrecke für Mensch und Material beginnt. Nach 50 Minuten stehen wir vor der Brücke, raffen allen Mut zusammen, fahren drüber und stehen vor unserer Hütte „Casa Craita!
„Treten Sie ein, mein Haus gehört Ihnen“ sagt Dorin. Ich bin begeistert, trotz vorangegangenem Martyrium. Dorin macht Grill, wir beziehen die Zimmer. Als wir den Hänger öffnen, sehen wir die Bescherung. Alle Köstritzer Bierflaschen für Calin sind kaputt, und das gute Bier ist ausgelaufen. Es riecht gut. „Wie bringen wir das nur Calin bei?“
Koteletts, Michis und Putenfleisch, frisch vom Grill, dazu Dosenbier, Limo, Cola und Wein. Dorin hat für alles gesorgt. Mein „Ankommgefühl“ stellt sich ein. In glaub, ich bin glücklich.
Gudrun sagt: „Du hast aber mal ne gute Frau“. Jetzt bin ich auch noch stolz! Casa Craita – innenCasa Craita – außenGulaschessen

 

Sonntag, 09.10.11:

Am Morgen liegt hoher Schnee.
eingeschneit
Dorin kommt zum Frühstück und sagt: „Die Bären kommen heute am späten Nachmittag. Zwei Guides werden euch begleiten. Und morgen ist die Bergwanderung, es begleitet euch ein Guide namens Ciprian.“. „Kurz und schmerzlos“, denke ich, „der labert nicht lange, schafft schnell Fakten“. Sowas ist mir sehr sympathisch. Später erfahre ich, dass Dorin ein Millionenskiprojekt ausländischer Investoren auf Poiana Brasov managt. „Man sollte ihm die Haut ab…“.
Am Vormittag fahren wir nach Bran. Auf dem Weg begegnen wir einem Filmteam mit zahlreichen LKW`s.
Wir erfahren, dass Kevin Costner da ist. Niemand will mehr von Bären was wissen, nur noch von „dem, der mit dem Wolf tanzt“.
Aber Bran ist Pflichtprogramm. Ich schlendere an den Nippesständen vorbei und denke zurück an die Zeiten, als der Kommerz noch nicht Einzug gehalten hatte. Irgendwie war es schöner, ruhiger allemal. Ich gehe mit Evelyn und Norbert einen Kaffee trinken, natürlich in die Schauderküche.
Burg Bran
In Zarnesti gibt’s jetzt einen Lidl. Evelyn ist begeistert und findet alles, was sie braucht. Wir sind ja Selbstversorger in der Casa Craita. Ich denke: „Das wird ja immer schlimmer“, lass mich aber letztendlich doch von den Vorteilen des Megadiscounters überzeugen. Ich fühle mich aber wie in Schmelz auf dem Lidlparkplatz, wenn ich auf Evelyn warte. Einige von uns werden vom Kaufrausch übermannt.
Zurück in der Casa Craita warten schon die Guides mit ihrem Allrad-Nissan und mit ihren Flinten. Evelyn, Norbert und ich steigen zu ihnen, die anderen kommen mit Günters Vito hinterher. Wir fahren mehrere Kilometer immer bergauf auf schneebedeckten Waldwegen, immer tiefer in die Wildnis. Ich denke: „Wenn Günter jetzt liegen bleibt, haben die Bären leichtes Spiel. Er hat keine Flinten, aber wir“.
Aber der Vito geht erstaunlich durch den Schnee, kein Allrad, aber Sperrdifferenzial; und Günter gibt Gas und hängt uns immer direkt an der Stoßstange, wegen der Flinten, die wir haben.
Einer der Guides sieht aus, als käme er aus der Mongolei. Im Rückblickspiegel sehe ich seine tiefe Narbe im Gesicht. „Bärentatzenspuren“, denke ich und kauere mich auf dem Rücksitz ganz krumm, bis ich einen Krampf ins Bein bekomme. Plötzlich halten wir an. Der Mongole bedeutet uns auszusteigen, ab hier geht’s zu Fuß.
Wir müssen einen steilen Fußpfad im tiefen Schnee erklimmen, sehr steil und schräg abfallend.
Aufstieg zum Hochstand
„Das schafft Norbert nicht“! Wir lassen ihn im Auto zurück, ohne Flinte, nur mit seinem Küchenmesser.
Als wir auf dem Hochstand ankommen, haben wir einen wunderbaren Überblick über die schneebedeckten Wälder des piatra craiului, Wildnis pur.
die Wälder des piatra craiuluidie Wälder des piatra craiului
Der mit dem Försterhut zeigt uns eine Stelle, wo die Bären angefüttert werden. „A colo“, sagt er, und wir starren uns die Augen aus dem Kopf, einmal mit und einmal ohne Fernglas, fast drei Stunden lang. Zwischendurch denke ich manchmal an Norbert, aber nicht so oft, bin mehr mit Bärenausschau beschäftigt und denke: „Die müssen doch jetzt kommen“! Was kommt ist ein Wildschwein, es haut aber schnell wieder ab.
Wildschwein
Die Bären lassen sich nicht blicken. Günter zweifelt plötzlich daran, dass es überhaupt Bären in Rumänien gibt, jedenfalls habe er noch keinen gesehen. Ich habe große Mühe, ihm zu erklären, dass wir es sind, die die Bären sehen wollen, sie uns aber nicht! Etwas ungläubig schaut er drein.
Die Narbe des Mongolen erscheint mir jetzt ganz anders. „Vielleicht beim Rasieren geschnitten“, denke ich. Es wird langsam dunkel. Die beiden Guides brechen ab.
Beim Abstieg auf dem schneebedeckten Waldpfad stürze ich kopfüber, kann mich aber halten. Evelyn geht hinter mir, muss wie immer bei so was lachen, und stürzt ebenfalls, aber seitlich. Schorsch geht noch hinter ihr und rettet ihr das Leben! „Das werde ich dir nie verzeihen, pardon vergessen,“ denke ich und: „Wenn Norbert jetzt noch lebt, bekommen wir was zu hören!“
Unten angekommen steht Norbert neben dem Auto, etwas blass, aber er strahlt über das ganze Gesicht. Es habe ihm gut gefallen und sein Küchenmesser habe er nicht gebraucht. Das mit dem gut gefallen glaube ich ihm nicht, das mit dem Küchenmesser schon.
„Da muss doch was schief gelaufen sein mit dem Termin, den Dorin mit den Bären verabredet hat“, denke ich für mich. Unsere Frauen denken bestimmt: „Dann gehen wir eben zu dem, der mit dem Wolf tanzt“. Aber auch den bekommen wir nicht zu Gesicht.
Die Nacht wird schlaflos. Günter und Cuza gruschpeln stundenlang. Pferde am piatra craiuluiPferde am piatra craiului

 

Montag, 10.10.11:

Wir treffen uns mit Cipri dort, wo es hoch geht nach Magura. Nicht alle können mit: Evelyns Blase am Fuß drückt, Norbert und Herbert sind lädiert, Schorsch und die Mädchen wollen ausspannen. Also sind wir sechs, mit Cipri sieben, die den Tagesmarsch am piatra craiului antreten. Der Aufstieg nach Pestera ist steil; die Berghütten von Constantin und Doru grüßen aus dem gegenüberliegenden Magura.
Jutta vor MaguraConstantins und Dorus Hütten in Magura
Herrliche Bergwelt, wie aus dem Bilderbuch. Ich denke an die Nacht mit Günter auf dem Balkon - damals hat er auch schon sehr früh angefangen zu gruschpeln - und an die tollen Aufenthalte in Constantins Hütte. Hier waren schon viele von uns.
Ich fange an zu schwitzen. Günter gibt mir seine Wanderstecken. Jetzt geht alles viel leichter. „Du Jungfuchs, wozu brauchst du schon Wanderstecken“, denke ich, bin aber dankbar, denn es geht immerfort bergauf.

Einige hundert Meter Höhenunterschied auf einer Gesamtdistanz von etwa 15 Kilometer. Zeitweise denke ich, ich stoße an meine Grenzen. Ich glaube, Jutta und Cipri sind besorgt um mich. Sowas gefällt mir immer gut! Sie gehen jetzt langsamer. Schon rücken die Grenzen in weite Ferne.
die BergtourBergpanoramaVerschnaufpauseBergpanoramaBergpanorama

Plötzlich sagt Günter, dass es doch Bären gibt. Es ist noch nicht lange her, dass sie hier waren. Bärentatzenspuren im Schnee, ganz frisch. Günter hat Schuhgröße 47. Er passt ganz hinein.
BärenspurenBärenspurenBärenspuren, Cipi fotografiertBärenspuren
Jetzt wird mir etwas mulmig. Mein Schweiß wird kalt. Aber es ist ja auch kalt hier oben, beruhige ich mich. „Singen wäre nicht schlecht“, denke ich. Helma und Gudrun haben schon begonnen.
Wir stehen vor dem Gipfel des Königsteins. „La Om“, sagt Cipri. Ich bin überwältigt, die Kulisse ist fantastisch in der durch den Nebel dringenden Sonne.
La OmLa OmLa Om

Dann beginnt der Abstieg durch die Schlucht. An Constantins Steilwand halte ich Ausschau nach ihm, er hängt nicht da. „Vielleicht ist er in Dresden bei Löwinger“, denke ich. Später fahren wir zur Alpin Ranch. Alles ist dicht. Er ist in Dresden. Ich bin mir ziemlich sicher. Am Parkplatz verabschiedet sich unser Guide Ciprian.
Am Abend gibt’s Gulasch und eine gemütliche Abendsitzung.

 

Dienstag, 11.10.2011:

Heute fahren wir nach Sinaia und besuchen Schloss Peles von König Mihai, dem Hohenzollern. Der Guide bin ich. Leider ist das Schloss für Besucher geschlossen, da die Saison schon vorbei ist. Wir können nur von außen schauen. Vor dem Schloss sitzt wie immer mein Freund Catalin Comnoiu, der Gitarrist. Er erkennt mich schon von weitem und winkt mir freundlich zu. Ich lade ihn ein zu unserem 20 jährigen Bestehen im August 2012. Mal schauen, ob er mit den Aliosern mit kommt; jedenfalls hat er nicht abgelehnt und schon mal mit Calin telefoniert.
Catalin ComnoiuPelesEvelyn und Jutta vor Peles

Der Aufenthalt in Peles wird kürzer als geplant, und wir fahren noch nach Sinaia und hoch auf 1400 Meter. Hier steht ein schreckliches Hotel und eine Raupe macht gerade die Natur kaputt. Es wird eine Skipiste angelegt. An Gheorghe aus Botiza mag ich schon gar nicht mehr denken, „besser er sieht so was nicht, sonst nimmt er sich noch das Leben“, denke ich und genieße die herrliche Aussicht am Schreckenshotel vorbei.
Blick über SinaiaGebirgspanorama bei Sinaia

Dann fahren wir nach Brasov (Kronstadt) und finden einen Parkplatz in unmittelbarer Nähe zur Altstadt, vielleicht 10 Minuten Fußweg bis dorthin. Norbert meckert ohne Ende; er dachte wohl, wir würden ihn mitten in der schwarzen Kirche absetzen. Ich beiße auf die Zähne, und ich glaube, Evelyn ist zum ersten Mal richtig sauer.
Wir verabreden einen Zeit- und Treffpunkt, und ich genieße dann doch noch mit Evelyn und Jutta zusammen einen herrlichen Spätnachmittag in meiner Lieblingsgroßstadt in Rumänien.
BrasovBrasovSchwarze Kirche in Brasov

Das Abendessen ist leider fast ungenießbar. „Do gehn ich nemme hin“, denke ich, „obwohl et scheen es em Keller“.
Dann zurück. Ich denke schon mit Grauen an die Marterstrecke, die wir ein vorletztes Mal bewältigen müssen, und das bei Dunkelheit. Ich habe Angst, dass sich die wenigen Schrauben, die in meinem Kopf noch fest sitzen, allesamt lockern werden.
Am Abend verabschiede ich mich noch von Dorin in seiner Wohnung in der Casa Craita. Gefällt mir der Kerl.
„Alles gut“? fragt er. „Prima“, sage ich, „wir kommen wieder“. Er strahlt und gibt mir die Hand. “La revedere si la multi ani!“

 

Mittwoch, 12.10.11:

Wir fahren. Kevin Costner bleibt noch! Ein letztes mal die Marterstrecke bis Zarnesti.
herrlicher piatra craiului
Dort galoppieren fünf Rappen wie wild geworden durch die Straßen, an Autos und Leuten vorbei, wild wiehernd vor uns und hinter uns. Milena ist begeistert.
wild gewordenwild gewordenjetzt ruhiger

Gudrun will viel sehen, und ich schlage vor, dass wir einen kleinen Umweg über Sighishoara (Schässburg) und Biertan (Bierthälm) machen. Sie liest laut vor aus ihrem Marco Polo über Schässburg und die Altstadt, das Geburtshaus des Vlad Tepes, die Kirchenburg in Biertan usw.
Wir fahren an Rupea (Reps) vorbei, dem Heimatdorf von Claudiu M. Florian, der den Roman „Zweieinhalb Störche“ geschrieben hat, der hier in seiner Kindheit spielt. Zu Hause werde ich Gudrun den Roman ausleihen. Sie wird mir auf einer Postkarte schreiben: „Dank der Rumänienreise konnte ich es gut verstehen“.
Ich will eigentlich von Schässburg nicht so viel sehen, da ich schon alles kenne. Dafür treffe ich mich mit Wolli und Patrick aus St. Wendel und plaudere beim Kaffee über ihre und unsere Erlebnisse.
SchässburgSchässburg

Ich habe 10 Minuten überzogen und ernte böse Blicke von Evelyn. In den Autos auf dem Parkplatz packen alle ihre „Schmieren“ aus und futtern. So viel Zeit muss sein!
Ein verlotterter Zigeunerjunge mit riesengroßen Augen bettelt. Er kommt zu mir ans Fahrerfenster. Ich gebe ihm ein paar Lei unter der Bedingung, dass er uns dann nicht mehr belästigt. Er akzeptiert. Mir ist nicht wohl dabei.
Gudrun sagt: „Soll er doch in die Schule gehen, sonst hört das ja nie auf“. Mein Unwohlsein verstärkt sich.
„Wir müssen hier weg“, denke ich und fahre nach Biertan, prompt in die falsche Richtung. Mir fällt plötzlich ein, dass bei Leti in der Klasse in Alios mehr von „diesen“ Zigeunerkindern sind als von „jenen“ rumänischen Kindern.
Diese – Jene!? Europa – deine Kinder.
In Biertan fühle ich mich besser, wie zu Hause. Meine dritte Heimat, nach Dorf und Alios. Ich zeige Jutta, wo wir mit Ines und Tim am Lagerfeuer gesessen haben und eine Eselwanderung gemacht haben. Jutta ist ganz in sich gekehrt.
Ich hoffe, dass ich Otto treffe. An der Pensiune mache ich halt und klopfe. Niemand ist da. „Diese halbe Stunde hätte ich mir genommen“, denke ich. Karin treffe ich auch nicht und ein Besuch bei Frau Notsch hätte dann doch zu viel Zeit gekostet. So bleibt nur ein wenig Zeit zum Kirchenburgfotografieren und wir fahren weiter nach Richis (Reichersdorf).
Pensiune Otto WagnerGünter vor der Kirchenburg in Biertan

Ich bin traurig. Wäre schön gewesen, wenn wir auch hier ein paar Tage gewesen wären. Mir geht alles Mögliche durch den Kopf. „Vielleicht begegnet uns Meggi in Reichersdorf“ – leider.
Hinter Reichersdorf beginnt ein Waldweg. Ich glaube, die im anderen Bus denken, ich spinne.
Dann geht’s über die Dörfer in Richtung Sibiu (Hermannstadt). Sachsendörfer, so typisch und bunt wie auf den Fotos im Reiseführer. Ich werde melancholisch. Ein wenig bin ich hier zu Hause.
Für einen Besuch in Sibiu ist die Zeit zu knapp. Die Autobahnumgehung ist fertig, wir brauchen nicht mehr durch die Stadt. Dann geht’s ab über Sebes, Deva in Richtung Lipova nach Alios. Dort kommen wir an bei Dunkelheit.
Der Empfang im Alcarzentrum ist herzlich und lang. Mit meinem Freund Dan hatte ich vorher telefoniert und ihm unsere Ankunft mitgeteilt. Er wusste gar nicht, dass wir in Rumänien sind. Die Verantwortlichen von Alcar hatten ihn nicht informiert. Sein Kommentar: „Werner – du kennst das!“ Er lässt sich nichts anmerken. Mein Ärger ist grenzenlos, ich muss mich beherrschen.
Nach ein paar Bierchen geht’s dann in die Familien, die „Gepäcktaxis“ stehen bereit. In der Nacht kommen Milena, Jutta, Evelyn und ich zu Brutus. Es gibt Gulasch. In bin zu Hause.

 

Donnerstag, 13.10.11:

Den Vormittag verbringe ich in meiner Gastfamilie mit Dana, Cornella und Brutus. Einige Telefonate mit Freunden. Ich erfahre, dass mein Freund Voicu im Sommer ernsthaft erkrankt ist. Auch davon haben sie mir nichts gesagt!
Ich glaube, Jutta und Milena fühlen sich wohl. Kein Wunder, bei den „Hatigans“ kann man sich kaum anders fühlen.
Haus Hatiganzu Hause bei BrutusBrutus`GartenTür in mein Zimmer

Am Nachmittag treffen wir uns alle im Alcarzentrum. Ich stelle unsere Projekte vor, insbesondere unseren Second-Hand-Laden und die Patenschaftsmodelle. Ich habe das Gefühl, dass ich auf großes Interesse bei den Mitfahrern stoße.
Second-Hand-LadenManagerin und VerkäuferinBesprechung

Wir verabreden, dass wir einen Rundgang durch Alios machen, in alle Ortsteile, auch ins Randgebiet, wo die Randgesellschaft haust, um einen Eindruck zu gewinnen, einen Eindruck von der tatsächlichen Situation von „Alios in Europa“. Bei unserem Filmprojekt im April 2011 wurde das „Zigeunergetto“ ausgeblendet. Unsere Partner wollten dort nicht filmen.
Die Situation dort ist mehr als dramatisch. Die Menschen hausen in Baracken. „Unvorstellbar“, denke ich: „Darf so etwas sein in Europa, in der reichen EU??“
Ich frage die Menschen, ob ich fotografieren darf. Sie sind freundlich, stellen sich in Pose und winken in die Kamera. Einer sagt: „In Hannover war das Leben besser.“ Ich weiß nichts zu antworten und denke an meinen Bekannten Alexander aus Überherrn. Er ist Pilot und muss sie zurück fliegen auf den Flughafen nach Bukarest. Er sagt: „Ich schäme mich, da sind Leute dabei, die tragen ihr ganzes Leben in der Plastiktüte“.
„Wenn er wüsste, wo sie wirklich landen“, denke ich.
Plötzlich fällt mir die Diskussion mit Christian aus Gresaubach ein. „Wirtschaftsflüchtlinge“ nennt er sie.
Einige von diesen werden im Winter sterben, erfrieren. Besonders gefährdet sind die Kinder, die Alten sind schon gestorben. Man wird sie dann begraben, irgendwo. Manche Ortschaften haben sogar gesonderte Friedhöfe für „diese“. Gettos über den Tod hinaus! Reiches, armes! Europa.
Wir müssen hier filmen!
Eintritt in den Randbezirksein Hab und GutRandbezirkRandbezirkRandbezirk

Wir kommen zurück ins Alcar-Zentrum. Dort ist Jahrmarkt. Günter hat Geburtstag und alle seine Patenkinder mit ihren Freunden und Bekannten futtern Pizza. Ich trinke Bier und bin spät in der Nacht ganz schön „worres“.

 

Freitag, 14.10.11:

Am Vormittag muss ich ausschlafen und mich wohl fühlen in meiner Familie.
Nachmittags geht’s dann nach Temesvar. Der Guide bin wieder ich. Ich erzähle die Schaudergeschichten von unseren Erlebnissen auf dem Armenfriedhof aus dem Jahr 1992, schildere so gut es geht die Revolutionsereignisse, schlendere mit der Gruppe von der Oper zur Kathedrale bis zum Tökes-Haus mit dem Schild „Hier begann die Revolution, die der Diktatur ein Ende setzte“.
Hier begann...
Lazlo Tökes sitzt nun im Europaparlament, erfahre ich von seinem Nachfolger im Priesteramt, der uns die Kirche zeigt.
Später denke ich: „Temesvar hat Flair und entwickelt sich zu einer europäischen Metropole“.
Von diesen aus den Randgebieten sieht man nichts, aber jede Menge schwarzer Sheriffs.
TemesvarTemesvarTemesvar

Zurück in Alios gehen wir zu Dana in die Pizzeria. Der Laden ist voll. Ich gehe früh schlafen.

 

Samstag,15.10.11:

Ich fahre morgens noch zu Voicu. Leti sagt: „Wir müssen wechseln Leben um 180 Grad“. Ich mache mir Sorgen.
Dann die Abschiedszeremonie im Alcar-Zentrum. Geschenke und Geknutsche ohne Ende. „Multi sanatate, la multi ani, drum bun, salut pentru familia in germania…“ Es nimmt kein Ende. Am Schluss kommen noch Maria und Nellu und küssen so herzhaft auf den Mund wie eh und je.
Wir fahren einen Umweg über Siria, um die Paläste der anderen Sinti und Roma zu sehen, diese, die man nie zu Gesicht bekommt und deren Schlösser und Prachtbauten nie fertig werden. Sie sind allesamt unbewohnt aber mächtig und prächtig.
PalastPalastKontrastprogramm

Am Bahnübergang bei Arad müssen wir halten. Ein verlotterter Zigeunerjunge mit großen Augen verkauft Holzschachbretter mit Figuren („este komplett“, sagt er) für 3 Lei. Von den meisten Autofahrern wird er barsch abgewiesen. Wir kaufen eins und ich denke: „Tausend Jahre wirst du brauchen, bis du in einem jener Paläste wohnen kannst“.
Die Schranke öffnet sich. Wir fahren in eine andere Welt.
Wir übernachten am Neusiedler See in der „Neusiedler Csarda“. Angenehm.

 

Sonntag, 16.10.11:

Wir fahren bis Passau und hängen den Hänger um. Ab hier fahren wir getrennt.
„Eine tolle Tour“, denke ich und hoffe innigst, dass wir uns wieder sehen.
Gegen 22,00 Uhr sind wir zu Hause.

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